Wie wir selbst mit KI arbeiten und was unsere eigenen Agenten uns melden

Wer KMU beim Einsatz von KI hilft, muss die Frage aushalten: Und bei euch selbst? Hier die Antwort ohne Hochglanz, samt den drei Fehlern, die unsere Qualitätskontrolle zuletzt gefunden hat.

Stand Juli 2026. Seither hat sich zweierlei geändert: Yasmina Tregan begleitet Velox-KAi heute als Advisor, und das Erstgespräch dauert 30 Minuten statt eine Stunde. Die Zahlen im Text sind die von damals. Zum Abschnitt «Wo unsere Anwendungen laufen»: Die Anwendungen selbst laufen bei Infomaniak in der Schweiz. Die KI-Verarbeitung mit Claude von Anthropic, die einige unserer Anwendungen nutzen, findet ausserhalb der Schweiz statt.

Wir helfen Schweizer KMU, KI sinnvoll einzusetzen. Die naheliegendste Frage ist also die, die uns niemand erspart: Und bei euch selbst?

Hier die Antwort, ohne Hochglanz.

Die Belegschaft

Velox-KAi hat zwei Gründer (Yasmina und mich) und zweiunddreissig KI-Spezialisten in sechs Teams: Strategie, Web, Delivery, Trust & Operations, Fachexperten, Client Success. Jeder hat einen Namen, eine Rolle und ein schriftliches Mandat. Liv führt die Strategie. Urs besitzt den Release. Sina hält das Qualitätstor. Reto ist Immobilien-Profi mit zwanzig Jahren Erfahrung und hat genau eine Aufgabe: unsere eigenen Produkte auseinandernehmen.

Das Wichtigste daran ist nicht die Zahl. Es ist die Gewaltenteilung. Im Mandat unseres Automation Engineers steht wörtlich: «You write it; Urs ships it.» Wer baut, released nicht. Wer prüft, fixt nicht. Das ist keine Bürokratie. Es ist der Grund, warum überhaupt jemand Nein sagen kann. Ein Agent, der seine eigene Arbeit abnimmt, nickt.

Der Weg einer Änderung

Ein Branch pro Änderung. Merge nur mit Historie, damit sie lesbar bleibt. Dazwischen liegen die Tore:

BelegPilot hat eine Prüfstrecke, die bei jeder Änderung läuft: achtundvierzig Tests, plus eine Regel, die den Lauf rot macht, sobald die Schutzregel unter hundert Prozent fällt.

Der GIS-Report hat achtunddreissig Regressionsprüfungen gegen vier echte Adressen. Die Regel dazu steht im Gate-Dokument und ist der eigentliche Punkt: Ein Fehlschlag heisst untersuchen, nicht die Prüfung lockern.

Die Website wird über zehn Seiten und drei Bildschirmbreiten geprüft, siebenunddreissig Prüfungen. Zwei davon waren absichtlich rot. Eine markierte ein Sprachleck beim E-Mail-Eintrag. Der Test blieb rot, bis das behoben war. Ein grüner Balken, den man sich durch Wegschauen erkauft, ist schlimmer als ein roter.

Und jeden Morgen um sieben läuft ein Bericht, der den Stand aller Branches liest und Risiken flaggt. Ohne Netzzugriff, ohne KI, rein deterministisch, weil eine Kontrollinstanz nichts halluzinieren darf.

Was die Kette tatsächlich gefangen hat

Das ist der Teil, der zählt. Drei Beispiele aus den letzten Wochen.

Ein fälschbarer Freigabe-Token. In BelegPilot wurde die Freigabe einer Zahlung mit einer Prüfsumme besiegelt, die sich vollständig aus öffentlich sichtbaren Feldern berechnete. Im Klartext: Wer eine Zahlungsfreigabe sah, konnte sich einen gültigen Token selbst ausrechnen und die Zahlung ohne einen einzigen Menschen auslösen. Gefunden, bevor je echtes Geld floss.

Ein falsches Grün. Unser GIS-Report prüfte Gefahren an einem Punkt und verkaufte das Ergebnis als Aussage über die ganze Parzelle. An der Kasernenstrasse in Zürich hiess das: Entwarnung in Grün, während zwanzig Meter daneben eine Wasser-Restgefährdung lag. Gefunden hat es Reto: der Agent, dessen Job es ist, uns nicht zu glauben.

Ein Tippfehler. In BauPilot standen zwei fast identische Feldnamen: grenzabstand und grundabstand. Ein einziges Wort Unterschied. Die Folge: Die Prüfung des Grenzabstands war in jeder Zone jeder Gemeinde tot. Und das Perfide: Sie tarnte sich als ehrliche Datenlücke. Sie meldete nicht «Fehler», sie meldete «nicht anwendbar».

Der ehrlichste Befund von allen: Bei den Freigabe-Löchern war die Prüfstrecke grün. Sie hat sie nicht gesehen. Gefunden hat sie ein Review, mit der Begründung, dass synthetische Testdaten genau diese Lücke systematisch unsichtbar machen. Unsere QA-Verantwortliche hat es in ihren eigenen Bericht geschrieben: Die hundert Prozent beweisen, dass die Prüfungen funktionieren. Über die Erkennung beweisen sie nichts.

Eine KI, die die eigenen grünen Zahlen als Selbsttäuschung entlarvt, ist mehr wert als eine, die sie feiert.

Der Morgen, den niemand von uns startet

Um halb sieben wacht unser Standup auf. Niemand drückt einen Knopf.

Er liest die Vertriebspipeline. Er liest unsere Kalender und die Posteingänge (nur lesend, nur im eigenen Tenant) und filtert das Rauschen heraus, bis die eine heisse Spur übrig bleibt. Er liest die Änderungshistorie und schreibt zusammen, was seit gestern tatsächlich fertig wurde. Er sammelt die offenen Gründer-Entscheide ein. Daraus baut er eine Seite: als Archiv, als gestaltete Fassung, als PDF.

Dann meldet er sich in Teams. Überschrift, ein Satz Zusammenfassung, ein klickbarer Link. Ich habe in dieser Kette nichts getan. Ich habe sie gelesen.

Ein Detail, das zeigt, dass das keine Spielerei ist: Der Standup enthält interne Personendaten, also bleibt die lesbare Fläche im eigenen Tenant. Und jeder Post wird protokolliert: wer, welcher Kanal, wie lang, welcher Rückgabecode, nie der Inhalt der Nachricht.

Das ist gemeint, wenn wir sagen, wir orchestrieren nur noch. Nicht: die Maschine macht alles. Sondern: die Arbeit, die täglich anfällt und die früher jemand von Hand zusammengetragen hätte, macht sie fertig und legt sie uns hin.

Das Prinzip dahinter

Es hat einen Namen und zieht sich durch alles: Melden, nicht entscheiden.

Der Standup endet mit einem Satz: Drück auf Senden. Er sagt mir, welche Mails rausgehen sollten und warum jetzt. Und dann hört er auf. Er sendet nicht. In seinem eigenen Regelwerk steht, dass der Kanal-Post die einzige Aktion nach aussen ist, die er überhaupt ausführen darf.

Dasselbe überall: Unsere Agenten schlagen vor. Sie buchen nicht, sie bewilligen nicht, sie versenden nichts.

Das ist keine technische Bescheidenheit. Das ist das Geschäftsmodell. Ein Treuhänder darf nicht herausfinden müssen, was die Maschine eigenmächtig gebucht hat.

Wo unsere Anwendungen laufen

Auf Schweizer Servern. Infomaniak, Genf. Schweizer Unternehmen, Schweizer Recht, eigene Rechenzentren in Genf und der Waadt.

Und darauf ein Aufbau, der von aussen langweilig aussieht und genau das sein soll: drei Sicherheitsschichten, jede unabhängig. Kein Root-Login, keine Passwörter, nur Schlüssel.

Mein liebstes Detail steht in der Startkonfiguration des GIS-Dienstes: Die Zugriffsprotokolle sind abgeschaltet. Nicht aus Nachlässigkeit: weil in den Anfragen Schweizer Adressen stehen, und die haben auf einer Festplatte nichts verloren. Datenschutz als eine Zeile in einer Systemdatei, nicht als Absatz in einer Erklärung.

Datenschutz ist der Weg, nicht der Schlusscheck

Jedes Werkzeug passiert bei uns ein Tor, bevor Daten hindurchfliessen: Wo sitzt der Anbieter, wo stehen die Server, gibt es einen Vertrag, wer hängt sonst in der Kette? Im Zweifel Nein.

Das Tor hat zugemacht, bei Dingen, die wir gerne gehabt hätten. Ein exzellentes Werkzeug zur Webrecherche: abgelehnt, weil in dessen Datenschutzerklärung wörtlich steht, dass die Server in den USA stehen. Ein Netzwerkdienst mit Knoten in Zürich: aus dem Produktionspfad genommen, weil der Knoten in Zürich die Latenz senkt und an der Rechtsordnung über der Muttergesellschaft in San Francisco nichts ändert.

Die Zeile aus unserer eigenen Beurteilung, die ich seither dauernd zitiere: Eine gute Sicherheitszertifizierung in Delaware bleibt Delaware.

Wir zahlen dafür. Wir arbeiten mit Werkzeugen, die schlechter sind als das, was gerade gefeiert wird. Das ist der Preis dafür, einem Treuhänder nie erklären zu müssen, welchen Weg seine Mandantendaten genommen haben.

Was ich daraus mitnehme

Die Maschine kann man mieten. Den Betrieb muss jemand führen.

Wer Ihnen KI verkauft, dem stellen Sie zwei Fragen. Erstens: Wo rechnet das? Wenn die Antwort «alles DSG-konform» lautet, ist sie nicht beantwortet. Fragen Sie nach Anbieter, Region, Vertrag, Kette. Zweitens, und das ist die bessere: Was hat eure Qualitätskontrolle zuletzt gefunden? Wer darauf nichts Konkretes sagen kann, hat entweder keine, oder er schaut nicht hin.

Unsere Antwort steht oben, mit Namen und Daten.

Matthias

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30 Minuten mit Matthias Zur Studie (PDF) Stand der Studie: 22. September 2026.

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